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Ich war in Marburg ein Student

Lied von Hans Glauning (1944)

Es sehnt die qualerfüllte Brust
In meines Elends grauen Tagen
Die Zeit zurück, da ich mit Lust
Das bunte Burschenband getragen.
Zur Zeit, von der mich vieles trennt,
War ich in Marburg ein Student.

Die Wettergasse, eng gebaut
Mit Giebelhäusern, altersschiefen,
Hat manchen Übermut geschaut,
Als friedlich alle Bürger schliefen.
Da zog in frohem Sturm und Drang
Der Bundesbrüder Schar entlang.

An spitzen Dächern ging's vorbei,
Als ich zum Schloß empor gestiegen.
Ein Lockenköpfchen war dabei.
Die Rosenhecke blieb verschwiegen
Und rings zog jubelnd ihre Bahn
Durchs grüne Tal die junge Lahn.

Wie fahren wir von unserem Haus,
Als grad die Sonne aufgegangen,
Ins schöne Hessenland hinaus!
Wir saßen noch beim Wein und sangen.
Begrenzt vom blauen Himmelszelt
Erstrahlte morgenfrisch die Welt.

Und kam mir auch des Lebens Last
Mit ihren Kämpfen, ihren Pflichten:
Was, Marburg, du gegeben hast,
Kann weder Not noch Zeit vernichten,
So daß voll Dank mein Lied bekennt:
Ich war in Marburg ein Student.


Copyright © 2008 Wolfgang Krebs. Alle Rechte vorbehalten.

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