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Geschichten aus Wehrda

Das Totenkleid.

Im heutigen Marburger Stadtteil Wehrda wettete einmal in der Spinnstube ein junge Magd, das sie um Mitternacht zur Kirche gehen und dort die Bibel vom Altar holen würde. Als Sie die Kirche verliess, verhedderte sich wie zufällig, ein weißes fast durchsichtiges Gewand an ihrem Kleid. Als die Magd nach Hause zurückkehrte und die unheimliche Schleppe an ihrem Kleid wahrnahm, wurde das Mädchen vor Schreck ohnmächtig. In der folgenden Nacht klopfte es an das Fenster ihrer Kammer und eine Stimme befahl ihr das gestohlene Gewand zurückzubringen oder aber ihr würde der Hals gebrochen. Auch in den folgenden zwei Nächten wurde der unheimliche Befehl wiederholt. Schließlich entschloss sich die Magd, trotz ihrer Ängste, dem Befehl nachzukommen. Sie nahm einen bis zur Hälfte abgeschälten Haselstock und hängte das Totenkleid an den geschälten Teil. Dann reichte sie zur Mitternachtsstunde das Kleid zur Kirchentür hinein, wo es auch sofort von gespenstischer Hand entgegengenommen wurde. Als die Magd den Stecken zurückzog, war dieser soweit das Kleid an ihm gehangen hatte, zu Kohle geworden. Das Mädchen soll nie wieder eine ähnliche Wette abgeschlossen haben.

Die verschwundene Eiche.

Ganz in der Nähe von Wehrda gibt es Wasserloch. In alter Zeit soll an dieser Stelle eine alte, mächtige Eiche gestanden haben. Eines schönen Tages saß ein Jäger mit seinem angeleinten Hund unter dieser Eiche. Als die beiden eine Zeit unter dem Baum geweilt hatten, fing der Hund plötzlich an unruhig zu werden. Kräftig zog der Hund an der Leine, bis das der Jäger endlich ein Einsehen hatte und dem Verlangen des Hundes nachgab und den Rastplatz verließ. Aber kaum war er ein paar Dutzend Schritte vom Baum entfernt, da krachte es gar gewaltig hinter den Beiden. Als der Jäger sich umdrehte sah er, dass der gewaltige Baum vollkommen verschwunden war. Am Ort, wo die Eiche gestanden hatte, befand sich nun aber ein Wasserloch. Das Wasserloch soll sehr tief sein und ist darum später mit einer Einfriedung umgeben worden. Am gleichen Tag wie die Eiche verschwand und das Wasserloch entstand, soll weiter oben am Berg ein Tümpel verschwunden sein.


Copyright © 2008 Wolfgang Krebs. Alle Rechte vorbehalten.

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